Viele fragen sich ja, ab wann man eigentlich erwachsen ist. Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Je nach Situation fällt die Antwort anders aus. Und dann gibt es noch Momente, in denen ich mich frage, ob man sich überhaupt irgendwann erwachsen fühlt und ob es überhaupt sinnvoll ist, wenn man es tut … Doch das ist ein anderes Thema.
Dank eines dreijährigen Kindes wissen wir jetzt wenigstens, ab wann wir groß sind: wenn wir eine Unterhose anhaben
Diesen wunderbaren Satz habe ich in einer Buchhandlung aufgeschnappt. Die Situation war folgende: Eine Familie mit zwei Kindern hat sich bei den Kinderbüchern umgeschaut. Jedes Familienmitglied nahm immer mal wieder ein Buch zur Hand. Auch das kleinste Kind der Familie folgte seiner Neugier und stöberte in den Büchern, die in greifbarer Nähe waren. Anscheinend war das Buch, das sich das Kind dann schnappte, nach der Auffassung der Mutter nicht altersgerecht und sie sagte zu ihrem jüngsten Kind: „Nein, leg das Buch hin, dafür bist du noch zu klein.“ Doch das sah das Kind anders und antwortete resolut: „Mama, aber ich bin schon groß, ich habe schon eine Unterhose an!“. Das fand ich so lustig und zugleich auch irgendwie beeindruckend und reflektiert, wie das Kind mit seinen knapp drei Jahren diesen Satz seiner Mutter entgegenschleuderte.
So gut das Argument des Kindes auch war, die Mutter setzte sich durch und entschied, dass das Buch nicht das Richtige war; obwohl das Tragen einer Unterhose einen gewissen Grad an Kompetenz beweist.
In meinem Umfeld hat sich der Satz mittlerweile zu einem Sprichwort etabliert. Nein, nicht zu einer Redewendung (kann angepasst werden) oder einem geflügelten Wort (Urheber:in ist bekannt). Denn ein Sprichwort definiert sich laut dem Wörter- und Sprachenverlag PONS wie folgt: „Bei einem Sprichwort handelt sich immer um einen ganzen Satz, der wenig Spielraum zur sprachlichen Anpassung bietet. Ein Sprichwort drückt immer eine allgemeine, oft überkulturell gültige Weisheit aus.“ Da haben wir es.
Weitere schöne Sätze:
#1 Schöne Sätze: „Wenn ich lache, wird mir warm“
#2 Schöne Sätze: „Es gab sie nicht ohne mich und mich nicht ohne sie“
#3 Schöne Sätze: „Woraus bestehen eigentlich Popel?“
Zum Hintergrund dieser Blog-Reihe:
Wer wie ich gerne DIE ZEIT liest, kennt vielleicht die Kategorie „Was mein Leben reicher macht“ aus dem Themenbereich „Entdecken“. Eine meiner Lieblingskategorien. Bei den Anekdoten, die die Leserschaft einsendet, geht es um Momente, die das Leben reicher machen. Schöne Sätze machen mein Leben reicher. Sie sind für mich zu besonders, um in Vergessenheit zu geraten. Deshalb sammle ich sie, hüte sie wie einen kleinen Schatz – und teile sie in dieser Reihe mit dir.
